Schichtmodelle

Arbeitszeit flexibel gestalten

  • Was sind Schichtmodelle?

    Schichtmodelle sind Systeme zur Einteilung der Arbeit in verschiedene Schichten. Sie beschreiben die Verteilung der Arbeitsstunden auf mehrere Zeitabschnitte innerhalb eines Tages, einer Woche oder sogar eines Monats. Der Begriff umfasst eine Vielzahl von Mustern und Möglichkeiten, Arbeitszeiten zu organisieren, um den betrieblichen Anforderungen gerecht zu werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schichtarbeit ist eine besondere Form der Arbeitszeitplanung. Schichtarbeit liegt vor, wenn die Arbeitnehmer eines Unternehmens nacheinander zu verschiedenen Tageszeiten, möglicherweise auch nachts, arbeiten müssen
  • Die Schichtmodelle unterscheiden sich nach zwei Kriterien: Durchlaufzeit oder Schichtenanzahl
  • Bei der Erstellung des Schichtplanes sind die spezifischen Arbeitszeitregelungen des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) zu beachten
  • Schichtmodelle sind entscheidend für die kontinuierliche Betreibung in Branchen wie Produktion und Gesundheitswesen
  • Verschiedene Schichtmodelle, wie vollkontinuierliche und teilkontinuierliche Systeme, bieten unterschiedliche Vorteile bezüglich Betriebseffizienz und Flexibilität
  • Digitale Tools zur Schichtplanung erhöhen die Effizienz und Flexibilität, indem sie Mitarbeitenden die Möglichkeit geben, Schichtwechsel zu organisieren und ihre Verfügbarkeit einfach zu verwalten
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Was ist Schichtmodell?

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Welche Schichtmodelle gibt es?

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Rollierendes Schichtsystem

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Gesetzliche Regelungen

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Vor- und Nachteile

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Was ist Schichtmodell?

In Betrieben, die rund um die Uhr produzieren oder lange Öffnungszeiten haben, sind Schichtmodelle besonders wichtig. Diese Modelle stellen sicher, dass die Arbeitsprozesse ununterbrochen weiterlaufen können. Mitarbeitende arbeiten in festgelegten zeitlichen Abfolgen, um eine kontinuierliche Arbeitsweise zu gewährleisten. Solche Arbeitszeitmodelle sind in der Produktion, im Gesundheitswesen und in vielen anderen Branchen weit verbreitet, wo eine ununterbrochene Präsenz erforderlich ist. Der Schichtbetrieb ermöglicht es Unternehmen, rund um die Uhr Betrieb zu halten und dabei gesetzliche Regelungen sowie Herausforderungen in der Personaleinsatzplanung zu beachten.

Schichtarbeit ist eine atypische Arbeitszeitform, bei der sich Beschäftigte nach einem festgelegten Plan am Arbeitsplatz abwechseln. Sie kann in vielen verschiedenen Formen auftreten, je nach den spezifischen Anforderungen des Unternehmens und der Branche.

Warum gibt es Schichtmodelle?

Schichtmodelle sind erforderlich, um Unternehmensziele zu erreichen und eine durchgehende Versorgung sicherzustellen. In Branchen wie dem produzierenden Gewerbe und dem Gesundheitswesen sind Schichtmodelle unverzichtbar, da sie die kontinuierliche Bereitstellung von Dienstleistungen und die Aufrechterhaltung der Produktion gewährleisten. Ein gutes Beispiel sind Krankenhäuser, die rund um die Uhr besetzt sein müssen, um die Patientenversorgung sicherzustellen.

Bei der Einführung von Schichtmodellen spielt der Betriebsrat gemäß § 87 BetrVG eine wichtige Rolle, insbesondere bei Entscheidungen über Modelle und Ausführung. Für Unternehmen bieten Schichtmodelle zahlreiche Vorteile. Sie ermöglichen effiziente Arbeitsprozesse, Zeit- und Kosteneinsparungen und tragen zur Flexibilität bei. Durch die Anpassung der Schichtmodelle an saisonale Schwankungen können Unternehmen auf veränderte Betriebszeiten reagieren und ihre Produktivität maximieren. Die spezifischen Anforderungen eines Unternehmens bestimmen dabei, welches Schichtmodell am besten geeignet ist.

Trotz der Vorteile stellen Schichtmodelle auch Herausforderungen dar. Beispielsweise kann der Wunsch nach Flexibilität in starren Schichtsystemen schwer zu erfüllen sein. Ein rollierendes Schichtsystem, das Arbeitszeiten flexibler gestaltet, kann hier Abhilfe schaffen und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden erhöhen. Unternehmen müssen sorgfältig verschiedene Aspekte abwägen, bevor sie ein Schichtsystem wählen, darunter saisonale Schwankungen und gesetzliche Vorgaben.

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Welche Schichtmodelle gibt es?

Alle Schichtmodelle werden nach von zwei Kriterien unterschieden:

  • Anzahl der Schichten
  • Durchlaufzeit

Arten von Schichtmodellen nach Durchlaufzeit

Schichtmodelle können nach verschiedenen Kriterien kategorisiert werden. Eine wichtige Unterscheidung ist die Einteilung der Schichtarbeit basierend auf der Durchlaufzeit. Hierbei unterscheidet man hauptsächlich zwischen vollkontinuierlichen und teilkontinuierlichen Schichtsystemen. Diese Modelle bestimmen, wie viele Stunden und Tage pro Woche gearbeitet wird und ob der Betrieb rund um die Uhr läuft. Ein vollkontinuierliches Schichtmodell, auch bekannt als Konti-Schicht, ermöglicht einen ununterbrochenen Betrieb, während ein teilkontinuierliches Modell nur an bestimmten Tagen der Woche aktiv ist.

Diese Einteilung hilft, die spezifischen Bedürfnisse eines Unternehmens zu erfüllen und die Arbeitszeiten optimal zu gestalten.

Im Folgenden werden die zwei Hauptmodelle detailliert beschrieben.

Vollkontinuierliches Schichtmodell

Das vollkontinuierliche Schichtmodell, auch als Vollkonti bezeichnet, ermöglicht einen ununterbrochenen Betrieb 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Dabei werden drei Schichten – Frühschicht, Spätschicht und Nachtschicht – eingesetzt, um die kontinuierliche Produktion oder Dienstleistungserbringung sicherzustellen. Jede Vollkonti Schicht dauert in der Regel acht Stunden.

Dieses Modell wird häufig in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und im produzierenden Gewerbe angewendet, wo eine hohe Verfügbarkeit von Dienstleistungen erforderlich ist. Der Vorteil liegt in der maximalen Auslastung der Betriebsmittel und der kontinuierlichen Betreuung von Patienten oder Produktionsprozessen.

Teilkontinuierliches Schichtmodell

Das teilkontinuierliche Schichtmodell bedeutet, dass der Betrieb an fünf Tagen pro Woche läuft und in der Regel 24 Stunden pro Tag abgedeckt werden. Auch hier sind häufig die Schichten Früh-, Spät- und Nachtschicht vorgesehen. Es gibt jedoch Varianten dieses Modells, die ohne Nachtarbeit auskommen.

Dieses Modell wird häufig im produzierenden Gewerbe, aber auch in Bereichen wie Callcentern und im öffentlichen Verkehr eingesetzt, wo keine durchgehende Nachtarbeit erforderlich ist. Es bietet eine Balance zwischen Betriebseffizienz und der Einhaltung gesetzlicher Höchstarbeitszeiten.

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Arten von Schichtmodellen nach Anzahl der Schichten

Eine weitere Möglichkeit, Schichtmodelle zu kategorisieren, ist die Einteilung nach der Anzahl der Schichten. Oft werden vier oder fünf Schichten in vollkontinuierlichen Schichtmodellen verwendet, um die Arbeitszeit optimal zu verteilen und gesetzliche Vorgaben einzuhalten.

Im Folgenden werden die gängigsten Schichtmodelle – Zwei-, Drei- und Vier-Schicht-Modell – detailliert beschrieben. Diese Modelle unterscheiden sich in der Anzahl der Schichten pro Tag und den spezifischen Einsatzgebieten des Schichtmodells.

Zwei-Schicht-Modell

Das Zwei-Schicht-Modell umfasst zwei Schichten pro Tag: Frühschicht und Spätschicht. Es wird hauptsächlich in Betrieben eingesetzt, die keine Nachtarbeit erfordern, wie beispielsweise im Einzelhandel. Die Mitarbeitenden wechseln wöchentlich. Dabei rotieren sie zwischen Früh- und Spätschicht.

Ein großer Vorteil dieses Modells ist die Aussetzung der Nachtarbeit, wodurch gesetzliche Höchstarbeitszeiten und Ruhepausen eingehalten werden können.

Drei-Schicht-Modell

Das Drei-Schicht-Modell umfasst drei Schichten zur Abdeckung von 24 Stunden: Frühschicht, Spätschicht und Nachtschicht. Es wird typischerweise in Betrieben mit Kontischichtsystem angewendet, die eine kontinuierliche Produktion oder Dienstleistungserbringung gewährleisten müssen.

Dieses Modell ermöglicht einen rund-um-die-Uhr-Betrieb für fünf Tage die Woche, was besonders in der Produktion und im Gesundheitswesen von Vorteil ist.

Vier-Schicht-Modell

Das Vier-Schicht-Modell ist notwendig, um gesetzliche Höchstarbeitszeiten in einem 24/7-Betrieb einzuhalten. Mitarbeitende werden in vier Gruppen eingeteilt, um die Arbeitszeit besser zu verteilen und die Belastung zu verringern.

Fünf-Schicht-Modell

In diesem Modell werden die Mitarbeitenden in fünf verschiedene Schichtgruppen eingeteilt, die rotierend arbeiten, um den Betrieb rund um die Uhr und an allen Tagen der Woche zu gewährleisten. Jede Gruppe durchläuft dabei alle Schichten – Frühschicht, Spätschicht, Nachtschicht – und hat anschließend eine Ruhephase, bevor der Zyklus von Neuem beginnt.

Ein großer Vorteil dieses Modells ist die bessere Verteilung der Arbeitslast und die Möglichkeit, Übermüdung und gesundheitliche Beeinträchtigungen zu reduzieren, da die Mitarbeitenden regelmäßig Ruhephasen haben. Zudem ermöglicht das Fünf-Schicht-Modell eine höhere Flexibilität bei der Schichtplanung und kann besser auf individuelle Bedürfnisse der Mitarbeitenden eingehen.

Dieses Modell wird häufig in Branchen eingesetzt, die eine kontinuierliche Betriebsbereitschaft erfordern, wie zum Beispiel in der chemischen Industrie, in Kraftwerken oder in großen Produktionsanlagen.

Schichtmodelle im Schnellvergleich

  • 2-Schichtmodell: Früh–Spät, geeignet für Standardproduktion ohne Nachtarbeit.
  • 3-Schichtmodell: 24-Stunden-Abdeckung, typisch in Produktion & Pflege.
  • 4-/5-Schichtmodell: Vollkontinuierlich, maximal effizient, aber belastend.
  • Flexible Modelle: Ideal für Callcenter & Einzelhandel, orientiert an Nachfrage.
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Rollierende Schichtsysteme

Rollierende Schichtsysteme helfen dabei, Arbeitszeiten flexibler zu gestalten und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu erhöhen. Die Arbeitszeit wird fairer verteilt, indem zum Beispiel der Samstag als Arbeitstag einbezogen wird. Diese Modelle sind besonders in Branchen mit hohen Anpassungsanforderungen, wie Krankenhäusern, von Vorteil.

Durch die flexible Gestaltung der Arbeitszeiten können Mitarbeitende ihre Schichten selbstständig tauschen, was die Zufriedenheit weiter erhöht. Im Folgenden werden vorwärts und rückwärts rollierende Schichtsysteme detailliert beschrieben.

Vorwärts rollierendes Schichtsystem

Das vorwärts rollierende Schichtsystem basiert auf einer bestimmten Schichtfolge. Diese umfasst die Frühschicht, die Spätschicht und die Nachtschicht. Diese Reihenfolge ermöglicht eine flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit für Arbeitnehmer.

Die Vorteile liegen in der besseren Anpassung der Arbeitszeiten an die biologischen Rhythmen der Mitarbeitenden, was zu einer höheren Zufriedenheit und Produktivität führt.

Rückwärts rollierendes Schichtsystem

Das rückwärts rollierende Schichtsystem ändert die Reihenfolge der Schichten. Es folgt auf die Nachtschicht die Spätschicht, gefolgt von der Frühschicht. Ideal ist die Gestaltung der Schichtfolge mit zwei Tagen Nachtschicht, gefolgt von zwei Tagen Spätschicht und zwei Tagen Frühschicht, mit einer anschließenden Ruhephase von 48 Stunden.

Obwohl dieses Modell eine gewisse Flexibilität bietet, können rückwärts rollierende Schichtfolgen gesundheitliche Probleme verursachen und sollten daher vermieden werden. Kurze Schichtfolgen sind empfehlenswert, um die Belastung der Mitarbeitenden zu reduzieren.

Branchenspezifische Beispiele für Schichtmodelle

Schichtmodelle in der Produktion

In der industriellen Fertigung sind Schichtsysteme essenziell, um hohe Auslastung, geringe Stillstandzeiten und kontinuierliche Produktionsprozesse sicherzustellen.
Typische Schichtmodelle sind:

➤ 2-Schichtmodell (Früh–Spät)

  • häufig in Betrieben mit regulärer Wochenproduktion
  • eignet sich für mittelhohe Auslastung
  • Vorteile: planbare Arbeitszeiten, wenige Nachtarbeiten
  • Nachteile: begrenzte Produktionskapazität

➤ 3-Schichtmodell (Früh–Spät–Nacht)

  • typisch in der Automobilindustrie, Metallverarbeitung, Kunststoffindustrie
  • ermöglicht 24-Stunden-Produktion an 5 Tagen
  • Einsatz, wenn Maschinen teuer oder begrenzt sind und maximiert genutzt werden sollen

➤ Vollkontinuierliche 4-/5-Schichtsysteme

  • Rund-um-die-Uhr-Produktion inkl. Wochenende
  • Einsatz in Branchen mit Prozessanforderungen, z. B.:
  • Stahl- und Chemieindustrie
  • Lebensmittelproduktion
  • Druckereien
  • Vorteil: kein Stillstand → hohe Produktivität
  • Herausforderung: gesundheitliche Belastung der Beschäftigten

Praxisbeispiel

Ein Automobilzulieferer nutzt ein 5-Schicht-Vollkonti-Modell mit rollierendem Einsatzplan.
Ergebnis:

  • 24/7-Betrieb
  • optimierte Maschinenauslastung
  • stabile Lieferzeiten

Dieses Beispiel zeigt: Produktionsunternehmen profitieren besonders von kontinuierlichen Schichtsystemen, während flexible Systeme mehr Planung erfordern.

Schichtmodelle in der Pflege

Pflegeeinrichtungen benötigen durchgängige Betreuung — 24 Stunden, 365 Tage im Jahr. Daher sind Schichtmodelle zwingend erforderlich.

Typische Modelle:

➤ „Klassisches“ 3-Schichtmodell (Früh–Spät–Nacht)

  • am häufigsten in Krankenhäusern und Pflegeheimen
  • fester Personalschlüssel pro Schicht
  • hohe Belastung durch Wochenend- und Feiertagsdienste

➤ Geteilte Dienste

  • häufig in der ambulanten Pflege
  • z. B. 7–11 Uhr und 16–20 Uhr
  • ermöglicht Abdeckung der Hauptpflegezeiten
  • bei Mitarbeitenden jedoch oft unbeliebt → planungsintensiv

➤ 12-Stunden-Schichten

  • zunehmend in Kliniken genutzt
  • Vorteile: weniger Übergaben, mehr Kontinuität für Patient:innen
  • Nachteile: hohe körperliche Belastung

Praxisbeispiel

Eine Klinik nutzt ein rollierendes 3-Schichtmodell, bei dem Teams feste Wochentage übernehmen.
Vorteile:

  • Mitarbeitende haben mehr Planungssicherheit
  • Teamzusammenhalt steigt
  • Übergabefehler sinken

Die Pflegebranche zeigt: Kontinuität und Verlässlichkeit sind entscheidend für erfolgreiche Schichtsysteme.

Schichtmodelle im Callcenter

Callcenter passen ihre Schichtsysteme meist an Kundenfrequenzen an und arbeiten stark datengetrieben.

➤ Flexibles Schichtmodell

  • Einsatzzeiten orientieren sich an Live-Daten (Anrufvolumen)
  • Tagesgeschäft variiert → dynamische Planung wichtig
  • typischer Einsatz im technischen Support oder bei Hotline-Dienstleistern

➤ Teilkontinuierliche Schichtsysteme

  • häufig 6–22 Uhr
  • ermöglicht ausreichende Erreichbarkeit bei moderater Belastung
  • im Gegensatz zu Vollkonti ohne Nachtarbeit

➤ Peak-Schichten

  • 3–4-Stunden-Schichten zu Stoßzeiten, z. B.: a) morgens 8–11 Uhr  b) abends 17–20 Uhr
  • ideal bei saisonalen Spitzen (Steuerberatung, eCommerce, Telekommunikation)

Praxisbeispiel

Ein Kundenservicezentrum führt Peak-Schichten ein, basierend auf Analyse des Anrufaufkommens.
Ergebnisse:

  • kürzere Warteschleifen
  • bessere Servicequalität
  • geringere Personalkosten durch bedarfsorientierten Einsatz

Dieser Bereich zeigt: Datenbasiertes Workforce-Management ist entscheidend, um Servicequalität wirtschaftlich sicherzustellen.

Branche Häufigste Schichtmodelle Warum dieses Modell? Besonderheiten
Produktion 2-, 3-, 4-, 5-Schicht, vollkontinuierlich Maschinenauslastung maximieren, Lieferzeiten Hohe Genauigkeit der Planung wichtig
Pflege / Medizin 3-Schicht, 12-Stunden-Dienste, geteilte Dienste 24/7-Betreuung zwingend nötig Starke gesetzliche & qualitative Anforderungen
Callcenter / Kundensupport flexible Schichten, Peak-Schichten, teilkontinuierlich Hohe Abhängigkeit vom Anrufvolumen Datenbasierte Planung entscheidend
Einzelhandel Früh–Spät, geteilte Schichten Kundenfrequenz abhängig von Tageszeiten Wochenende stark frequentiert
Gastronomie Spät-, Split-, Wochenenddienste Hohe Auslastung abends Große Schwankungen je nach Saison
Logistik 3-Schicht, Nachtlastig Lieferfenster / Zustelldruck Mehr Nachtschichten notwendig
IT-Service / Monitoring 24/7 Bereitschaft, 3-Schicht Systemüberwachung rund um die Uhr Rufbereitschaft häufig

Gesetzliche Regelungen zu Schichtmodellen

Bei Schichtarbeit in Deutschland gibt es verschiedene gesetzliche Regelungen, die sowohl im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) als auch im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verankert sind. Hier einige der wichtigsten gesetzlichen Regelungen, die Schichtmodelle betreffen:

Arbeitszeitgesetz (ArbZG)

Das Arbeitszeitgesetz regelt die maximal zulässige Arbeitszeit, Ruhezeiten und Pausen.

  • § 3 ArbZG – Höchstarbeitszeit: Die tägliche Arbeitszeit darf grundsätzlich 8 Stunden nicht überschreiten. Eine Verlängerung auf bis zu 10 Stunden pro Tag ist möglich, sofern innerhalb von sechs Monaten oder 24 Wochen der Durchschnitt von 8 Stunden pro Tag eingehalten wird.
  • § 5 ArbZG – Ruhezeiten: Nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit müssen Arbeitnehmer eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden haben. Bei bestimmten Schichtmodellen, insbesondere im Gesundheitswesen, kann diese Ruhezeit in Ausnahmefällen auf 10 Stunden verkürzt werden.
  • § 6 ArbZG – Nacht- und Schichtarbeit: Für Nachtarbeitnehmer (Personen, die regelmäßig zwischen 23:00 und 06:00 Uhr arbeiten) gibt es spezielle Schutzvorschriften. Sie haben Anspruch auf regelmäßige ärztliche Untersuchungen, und die Arbeitszeit während der Nacht darf grundsätzlich 8 Stunden nicht überschreiten.
  • § 7 ArbZG – Abweichungen: Es gibt Ausnahmeregelungen, z. B. im Gesundheitswesen oder bei Notfällen, die von den allgemeinen Vorgaben des ArbZG abweichen können. Diese Abweichungen müssen in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen geregelt sein.

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)

Das Arbeitsschutzgesetz sorgt für die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz.

  • § 3 ArbSchG – Grundpflichten des Arbeitgebers: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Gesundheit der Arbeitnehmer auch bei Schichtarbeit durch geeignete Maßnahmen geschützt wird. Dazu zählen ergonomische Schichtpläne und eine Vermeidung überlanger Schichten, um gesundheitliche Risiken zu minimieren.
  • § 5 ArbSchG – Gefährdungsbeurteilung: Der Arbeitgeber muss eine Gefährdungsbeurteilung durchführen, um zu prüfen, wie sich Schichtarbeit auf die Gesundheit der Mitarbeiter auswirken kann. Darauf basierend müssen Maßnahmen zum Schutz der Arbeitnehmer ergriffen werden.

Flexible und einfache Dienstplanung

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Vor- und Nachteile der verschiedenen Schichtmodelle

Schichtmodelle bieten eine Vielzahl von Vorteilen und Nachteilen, die sowohl die Unternehmen als auch die Mitarbeitenden betreffen.

Vorteile

  • Erhöhte Planungssicherheit: Durch festgelegte Schichtpläne wissen die Mitarbeitenden genau, wann sie arbeiten müssen, was eine bessere Organisation des Arbeitsalltags ermöglicht.
  • Höhere Mitarbeiterzufriedenheit: Flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, Schichten zu tauschen, können die Zufriedenheit der Mitarbeitenden erhöhen.
  • Finanzielle Anreize: Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit machen Schichtarbeit finanziell attraktiv.
  • Kontinuierliche Betreuung: In Branchen wie Pflege und Gesundheitswesen ist eine durchgehende Betreuung notwendig, die durch Schichtarbeit gewährleistet wird.

Nachteile

  • Gesundheitliche Auswirkungen: Wechselnde Schlafzeiten können negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Mitarbeitenden haben, einschließlich Schlafstörungen und erhöhtem Stress.
  • Erschwerte Teilnahme am sozialen Leben: Schichtarbeit kann die Teilnahme an kulturellen und sozialen Veranstaltungen erschweren, da viele davon abends stattfinden.
  • Vereinbarkeit von Arbeit und Familie: Oft ist es schwierig, Arbeit und Familie zu vereinbaren, da Schichtarbeit häufig zu Zeiten stattfindet, wenn die Familie frei hat.

Typische Fehler bei der Schichtplanung

1. Fehlende Auslastungsanalyse

Viele Unternehmen planen Schichten „aus Gewohnheit“, ohne tatsächliche Daten auszuwerten (Auftragslage, Kundenfrequenz, Maschinenlaufzeiten).

Folge: Über- oder Unterbesetzung.

Optimierung: Daten aus Zeiterfassung, Auftragsmanagement oder Hotline-Systemen analysieren.

2. Unausgewogene Verteilung von Früh-, Spät- und Nachtschichten

Ein häufiger Fehler ist, dass bestimmte Teams oder Personen regelmäßig die belastenden Schichten übernehmen müssen.

Folge: Unzufriedenheit, höhere Krankheitsquote, Kündigungen.

Optimierung: fair rotierende Systeme entwickeln (mathematisch oder softwaregestützt).

3. Zu kurze oder zu lange Schichtfolgen

  • 7+ Nachtschichten am Stück → extrem belastend
  • zu kurze Wechsel → keine ausreichende Erholung

Optimierung: Besser: max. 3–4 Nachtschichten am Stück + ausreichend Ruhezeit.

4. Mangelhafte Kommunikation der Dienstpläne

Späte Planveröffentlichung erzeugt Stress bei Mitarbeitenden.

Optimierung: Dienstpläne mind. 2–4 Wochen im Voraus veröffentlichen.

5. Fehlende Pausen- und Ruhezeiten gemäß ArbZG

Verstöße sind nicht nur rechtswidrig, sondern auch gesundheitlich riskant.

Optimierung: ArbZG bei Planung berücksichtigen – Software vereinfacht das erheblich.

6. Keine Berücksichtigung individueller Bedürfnisse

Mitarbeitende haben unterschiedliche Belastungsgrenzen (Familienverantwortung, gesundheitliche Einschränkungen, Fahrtwege).

Optimierung: Wunschdienstpläne, Tauschbörsen, partielle Flexibilität anbieten.

7. Planung ohne Software

Excel-basierte Planung wird schnell unübersichtlich, besonders bei:

Optimierung: Software für automatische Schichtplanung & Zeiterfassung einsetzen

Checkliste: Gute Schichtplanung (für Arbeitgeber)

1. Bedarfs- und Auslastungsanalyse

  • Arbeitslast, Auftragsvolumen und Peaks wurden anhand realer Daten analysiert.
  • Stoßzeiten und Schwachlastzeiten sind klar identifiziert.
  • Der Personalbedarf je Schicht ist transparent definiert.

2. Rechtliche Vorgaben & Arbeitsschutz

  • Ruhezeiten gemäß Arbeitszeitgesetz (ArbZG) werden eingehalten.
  • Nachtarbeitszuschläge, Pausen und maximale Schichtdauer sind berücksichtigt.
  • Risiken für gesundheitliche Belastung wurden bewertet.
  • Schichtfolgen sind ergonomisch gestaltet (z. B. vorwärtsrotierend).

3. Faire & transparente Schichtverteilung

  • Belastende Schichten (Nacht, Wochenende) werden gerecht verteilt.
  • Rotationsmodelle sind nachvollziehbar und im Team kommuniziert.
  • Qualifikationen und Verantwortungsgrade sind im Plan berücksichtigt.
  • Individuelle Bedürfnisse (Familie, Gesundheit, Pendelzeiten) fließen ein.

4. Planbarkeit & Kommunikation

  • Schichtpläne werden mindestens 2–4 Wochen im Voraus veröffentlicht.
  • Mitarbeitende werden über Änderungen zeitnah informiert (z. B. digital).
  • Änderungen am Plan werden dokumentiert und sind nachvollziehbar.
  • Es gibt einen festen Ansprechpartner für Fragen und Schichttausch.

5. Flexibilität & Notfallmanagement

  • Reserveteams oder Springer sind eingeplant (z. B. 5–10 % Puffer).
  • Vertretungsregeln bei Krankheit oder kurzfristigen Ausfällen sind definiert.
  • Schichttausch ist geregelt (z. B. über eine digitale Tauschbörse).
  • Saisonale Schwankungen (Ferien, Hochsaison, Winter) sind berücksichtigt.

6. Übergaben & Arbeitsorganisation

  • Schichtübergaben sind standardisiert (Checklisten, Übergabeprotokolle).
  • Wichtige Informationen sind zentral und digital verfügbar.
  • Verantwortlichkeiten pro Schicht sind eindeutig geklärt.

7. Digitale Unterstützung & Tools

  • Eine professionelle Schichtplanungs-Software ist im Einsatz.
  • Automatische Regelprüfung (z. B. ArbZG, Qualifikationen) wird genutzt.
  • Dienstwünsche können digital eingereicht und verwaltet werden.
  • Schichtplanung ist mit Zeiterfassung und Abwesenheitsmanagement verknüpft.

8. Mitarbeiterzufriedenheit & Feedback

  • Mitarbeitende können Wünsche und Präferenzen kommunizieren.
  • Regelmäßiges Feedback zur Schichtplanung wird eingeholt.
  • Schichtmodelle werden regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst.
  • Belastungen oder Unzufriedenheit werden aktiv adressiert.

9. Qualität & Effizienz

  • Kennzahlen (z. B. Krankheitsquote, Überstunden, Fluktuation) werden ausgewertet.
  • Schichten sind weder dauerhaft über- noch unterbesetzt.
  • Prozesse sind so gestaltet, dass unnötige Leerlaufzeiten vermieden werden.
  • Ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) ist etabliert.

Digitale Tools zur Schichtplanung

Digitale Tools zur Schichtplanung ermöglichen eine einfache Erstellung und Anpassung von Schichtplänen, was zu einem automatisierten und transparenten Prozess führt. TimeTrack ist eine spezialisierte Software, die eine einfache Erfassung von Arbeitszeiten und Projektstunden ermöglicht. Eine effiziente Arbeitszeiterfassung ist wichtig, da sie einen Überblick über Arbeitszeiten sowie die automatische Übernahme von Überstunden ermöglicht.

Zusätzlich bietet TimeTrack die automatisierte Erstellung von Dienstplänen unter Berücksichtigung der Mitarbeiterwünsche. Die Software ermöglicht eine übersichtliche Unterteilung der Arbeitsbereiche und informiert über Urlaubsplanung und Dienstwechsel.

Mit digitalen Tools können Mitarbeitende ihre Verfügbarkeit eintragen, Schichttausche organisieren und die Urlaubsplanung berücksichtigen.

Häufig gestellte Fragen

Die drei grundlegenden Schichtmodelle sind:

  1. 2-Schichtmodell (Früh–Spät, ohne Nachtarbeit)

  2. 3-Schichtmodell (Früh–Spät–Nacht, 24-Stunden-Abdeckung an Werktagen)

  3. Vollkontinuierliches Schichtmodell (24/7-Betrieb inkl. Wochenende, meist 4–5-Schichtsysteme)

Das 6/4-Schichtmodell ist ein vollkontinuierliches System, bei dem Mitarbeitende 6 Tage arbeiten und anschließend 4 Tage frei haben. Die Schichten rotieren so, dass 24/7-Betrieb ermöglicht wird. Es wird häufig in der Produktion, Energieversorgung und Industrie eingesetzt.

Das 18-Schichtmodell ist ein vollkontinuierliches System mit 18 festen Schichtfolgen, die sich regelmäßig wiederholen. Es verteilt Arbeits-, Nacht- und Wochenendschichten sehr gleichmäßig auf alle Mitarbeitenden. Ziel ist eine faire Rotation und eine konstante 24/7-Abdeckung.

Hauptnachteile sind:

  • Komplexe Planung und hoher Verwaltungsaufwand
  • Unregelmäßige Arbeits- und Schlafzeiten
  • Erhöhte Belastung durch Nacht- und Wochenendschichten
  • Geringere Flexibilität bei spontanen Änderungen
    Trotzdem gilt es als sehr fair in der Verteilung.

Typische vollkontinuierliche 24/7-Modelle sind:

  1. 4-Schichtmodell
  2. 5-Schichtmodell
  3. 6/4-Schichtmodell
  4. 18-Schichtmodell
  5. 2-2-2-3-Schichtmodell

Sie unterscheiden sich vor allem in Rotationslogik, Belastung und Freizeitblöcken.

Das Milieumodell stammt aus der Soziologie und beschreibt gesellschaftliche Gruppen (Milieus) mit ähnlichen Lebensstilen und Werten.Es hat nichts mit Arbeitszeit- oder Schichtsystemen zu tun.Schichtmodelle regeln Arbeitszeiten – Milieumodelle beschreiben soziale Strukturen.

Das 2-2-2-3-Schichtmodell besteht aus:

  • 2 Frühschichten
  • 2 Spätschichten
  • 2 Nachtschichten
  • 3 Tagen frei

Es wird häufig im vollkontinuierlichen Betrieb genutzt und bietet lange Erholungsphasen trotz 24/7-Abdeckung.

Das „beste“ Schichtmodell gibt es nicht pauschal.
Es hängt ab von:

  • Branche
  • Personalbedarf
  • Maschinenlaufzeiten
  • Anzahl der Mitarbeitenden
  • Gesundheitsanforderungen
  • Wunsch nach Fairness und Erholungszeiten

Allgemein am ausgewogensten: Vollkonti-5-Schichtmodell –> gute Erholung, faire Rotation, stabile 24/7-Abdeckung.

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Gorica Stojkovic-Bubic

Mag. iur. Gorica Stojkovic-Bubic ist TimeTrack-Expertin für arbeitsrechtliche Themen. Nach 10-jähriger Tätigkeit für eine renommierte Wiener Rechtsanwaltskanzlei mit Schwerpunkt Arbeitsrecht verstärkt sie nun das junge TimeTrack Team und schreibt gerne Rechtsbeiträge rund um Arbeitszeit und Arbeitswelt.